Daddeln – nichts als Zeitverschwendung?

Von Annette Neeb am 24/06/2017 in Neues aus dem Teich gepostet



Sei es die kurze Runde Smartphone-Spiel auf dem Weg zur Arbeit oder ein Gaming-Abend mit Freunden: Video- und Computerspiele haben sich als Freizeitbeschäftigung über alle Altersgruppen hinweg fest etabliert. Über 40 Prozent, also 2 von 5 Bundesbürgern, ab 14 Jahren spielen regelmäßig – das entspricht rund 30 Millionen Personen in Deutschland. Selbst in der Generation 65-Plus spielt noch jeder Achte. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Befragung, die der Digitalverband Bitkom 2016 in Auftrag gegeben hat. Die Beliebtheit von Video- und Computerspielen zeigt, wie sehr Gaming zum alltäglich genutzen Unterhaltungsmedium geworden ist. Und damit natürlich auch ein interessantes Thema für weltweite Studien. Meistens sind die daraus folgenden Resultate sehr unterschiedlich. Aber die Schlagzeilen, die daraufhin in den Medien erscheinen, sind oft reißerisch, polarisierend und nicht selten negativ, obwohl bereits seit geraumer Zeit solche Studien und Forschungen immer wieder belegen, dass sich Videospiele häufig positiv auf die Gehirnleistung auswirken:

Forscher des Max-Planck-Instituts in Berlin fanden etwa heraus, dass Videospielen Hirnbereiche vergrößert, die für räumliche Orientierung, Gedächtnisbildung, strategisches Denken und die Feinmotorik bedeutsam sind. Diese werden demnach durch den Konsum der Videospiele geschult.

Forscher der Universität von Rochester belegten, dass Videospiele die Kreativität antreiben und das Fällen von Entscheidungen erleichtern. So weisen Ärzte aktiven Daddlern häufig eine verfeinerte Hand-Augen-Koordination nach. Eine Fähigkeit, die sich etwa bei Nachtfahrten mit dem Auto bezahlt macht. Vor allem rasante Actiongames fördern die Aufmerksamkeit: Spielernaturen treffen Entscheidungen etwa vier mal so schnell wie Nichtspieler.

Forscher der Michigan State University haben herausgefunden, dass Kinder, die häufig mit Videospielen in Kontakt kamen, tendenziell deutlich kreativer sind als andere Kinder im vergleichbaren Alter. Auf die richtige Art und Weise konsumiert, können die geeignete Videospiele für die Entwicklung eines Kindes also förderlich sein. In vielerlei Hinsicht. Weil Gaming – entgegen einst vorherrschender Vorurteile – auch eine soziale Beschäftigung ist, können Kinder den Umgang mit anderen Menschen schulen. Dazu zählt nicht nur die Kommunikation, sondern auch Wettbewerbsverhalten, Rollenverteilung und ganz wichtig: Toleranz. Videospiele verbinden Menschen auf der ganzen Welt. Es findet eine Annäherung zwischen verschiedenen Kulturen statt. Die positiven Effekte von Videospielen sind also zahlreich, was sie auch für Kinder geeignet macht.

Laut einer aktuellen Studie des University College London reduzieren Viedeospiele sogar Stress. 29 Prozent der befragten Männer und 18 Prozent der befragten Frauen tauchen in virtuelle Spielewelten ab, um vom Alltag abzuschalten, Stress abzubauen und den Tag zu verarbeiten. Beide Geschlechter würden jedoch am ehesten mit Freunden reden, um mit stressvollen Momenten umzugehen. Interessanterweise waren Videospiele für Männer und Frauen laut der Studie sogar ein wenig wichtiger für den Stressabbau als Sex.

Derzeit wird sogar von Medizinern getestet, ob Videospiele eingesetzt werden können, um fit zu bleiben. Computerspiele sollen Bewegungsabläufe trainieren, die die Konzentration fördern und – ganz nebenbei – auch Spaß bringen. Und Spiele, die die grauen Zellen anregen, sind womöglich genauso wirksam oder noch effizienter gegen schwere Altersdepression als Medikamente.

Doch bei all den positiven Effekten wird immer wieder heiss diskutiert, ob Videospiele, die Gewalt verherrlichen, zu antisozialem Verhalten wie erhöhter Gewaltbereitschaft oder Aggressivität und verminderter Empathie führen. Die Ergebnisse der Studien sind unterscheidlich und umstritten. Wer sich jedoch der Tatsache bewusst ist, dass es nicht nur gewaltverherrlichende Killerspiele gibt, wie sie von Kritikern gern genannt werden, der kann laut Jane McGonigal, Forschungsleiterin am Institute for the Future (IFTF) im kalifornischen Palo Alto, von den positiven, durch das Daddeln erworbenen Fähigkeiten, enormem Teamgeist und einer unvergleichlichen Hingabe, schwierige Aufgaben zu lösen, durchaus profitieren.

Quellen: sciencedaily.com, pcgames.de, giga.de, Stern.de, Tagesschau.de, n-tv.de
Bildquellen: familienleben.ch, Heise.de, palavradecrianca.com, paradisi.de, pcgames.de, schulesocialmedia.de, rwe-highspeed.de

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