Wer die Wahl hat, hat die Qual

Von favspoon am 06/12/2016 in Neues aus dem Teich gepostet

A man watching TV

Das Wohnzimmer. Unendliche Auswahl. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer eines Zuschauers, der sich tagtäglich die Fernbedinung krallt, um unbekannte Welten zu sehen und neue Geschichten zu erleben.

Nur welche? Das ist die Frage. Action, Krimi, Comedy, Sport, Drama oder doch lieber Horror? Nein, vielleicht lieber nicht – das kann u. U. zu realitätsnah werden.

Es gibt in Deutschland und weltweit viele Untersuchungen, die belegen, wie viel Zeit die Menschen eines Landes oder einer Region vor der Flimmerkiste verbringen. Und es ist nahezu gleichgültig, wo jemand lebt – ob in Afrika, Asien, (Süd)Amerika oder Europa: Das Fernsehen ist und bleibt die beliebteste Freizeitbeschäftigung vieler.
In Deutschland hat der TV-Konsum im vergangenen Jahr trotz Konkurrenz durch Videospiele und Internet ein Rekordhoch erreicht. Zuschauer sitzen im Durchschnitt täglich 223 Minuten, also fast vier Stunden, vor dem Bildschirm, Amerikaner sogar bis zu fünf. Insgesamt schauen wir damit etwa 12 Jahre unseres Lebens fern.

Doch wie viel Zeit verbringen wir eigentlich, abends auf dem Sofa, das Getränk der Wahl in Reichweite platziert, mit der Suche nach etwas, das wir uns anschauen möchten? Hunderte von Sendern, Internet-Streaming-Services, VOD (Video on Demand), Pay-Per-View-TV – nie zuvor hatten wir so viel Auswahl.
Laut einer neuen Untersuchung durch das Ericsson Consumer Lab suchen z. B. Amerikaner durchschnittlich 23 Minuten am Tag nach einer Sendung, die ihnen zusagt.

Zusätzlich zu den 12 Jahren verschwenden wir also 1,3 Jahre damit, durch die Kanäle zu springen – oft ohne Erfolg, weil man sich nämlich einfach nicht entscheiden kann, oder »nichts Interessantes« läuft.

Andere wühlen sich auf der Suche nach dem abendlichen Stimmungsaufheller für bis zu 41 Minuten am Tag durch Netflix, AmazonPrime Video u.ä., was allerdings die Beliebtheit dieser Angebote nicht mindert.

Wem jetzt die Kinnlade ob der kolossalen Zeitverschwendung von etwa 474 Tagen zu Boden rasselt, darf sich getrost wieder setzen. Getränk nachfüllen und nicht aufregen. Bedenkt doch: Der Erdenbürger verharrt ca. sechs Monate vor roten Ampeln, bringt ein ganzes Jahr damit zu, nach verlorenen Dingen zu suchen und starrt allein fünf Jahre in den Vorzimmern von Ärzten und Behörden auf sein Handy, in die Zeitschrift, oder, in ernsten Fällen, auf die Uhr.

Ist also alles nicht so schlimm.

 

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